Vojta-Therapie


Der tschechische Arzt Prof. Vaclav Vojta (1917 - 2000) entdeckte in den 50er Jahren das Prinzip der Reflexlokomotion. Daraus entwickelte er in den folgenden Jahren die nach ihm benannte Therapie zur Beeinflussung der Haltungs- und Bewegungsmuster von Säuglingen und Kindern.

Unter Reflexlokomotion versteht man reflexartige Reaktionen an Kopf, Armen, Beinen und Rumpf, die bei Säuglingen und Kindern durch die Reizung bestimmter Körperpartien (Reflexzonen) ausgelöst werden. Diese Reflexe sind (Vor-)Formen normaler (Fort-)Bewegungen. Abweichungen können unter Umständen auf spätere Haltungs- und Bewegungsstörungen hinweisen. Deshalb benutzen die Kinderärzte die Lagereaktionen nach Vojta als Vorsorgemaßnahme zur Diagnostik.

Die Vojta-Therapie wird eingesetzt, um schon abgelaufene Fehlentwicklungen umzuprägen. Die Stimulation der Körperpartien (Reflexzonen) erfolgt durch einen mehr oder minder starken Druck, der vom Arzt oder Therapeuten am Kind ausgeübt wird, während das Kind in einer ganz bestimmter Ausgangsstellung liegt. Dieser Druck kann, obgleich er unterhalb der Schmerzschwelle liegt, vom Kind mitunter als unbehaglich erlebt werden. Häufig äußert der Säugling sein Missfallen durch Schreien. Diese durchaus angemessene und verständliche Äußerung des kleinen Patienten, die bei Eltern ebenso nachvollziehbar oft zu Verunsicherung führt, lässt sofort nach Beendigung der Anstrengung nach.

Der Säugling / das Kind gewöhnt sich meist sehr schnell an diesen intensiven Kontakt. Das Schreien lässt dann bald nach. In den Übungspausen und nach der Therapie beruhigen sich die Säuglinge rasch. Bei größeren Kindern, deren Sprachverständnis schon mehr ausgebildet ist, tritt Schreien ebenfalls nicht mehr auf.

Die Therapie verbessert Aufrichtung und Fortbewegung des Kindes, wie Greifen, Drehungen, Kriechen, Krabbeln, Aufstehen und Gehen. Augenbewegungen, Zungen- und Kieferbewegungen, die für Atmung, Saugen, Schlucken und Mundbewegungen, die für die Sprachbildung, wichtig sind, werden ebenso positiv beeinflusst, wie z. B. vegetative Funktionen der Blasen- und Darmentleerung.

Die Vojta-Therapie wird mehrfach täglich angewendet durch die Elternteile bzw. Bezugsperson. Diese werden dazu vom Therapeuten entsprechend angelernt bzw. instruiert.

Informationen:

Vojta, Vaclav; Schweizer, Edith: Die ideale Bewegungsentwicklung im ersten Lebensjahr. Pflaum-Verlag 2009.

Orth, Heidi: Das Kind in der Vojta-Therapie. Ein Begleitbuch für die Praxis. Urban & Fischer Verlag 2005.

Nass, Klaus: Mutter und Kind im Wettlauf mit der Zeit. Risiko-Geburt und erste Lebensjahre. Die Vojta-Methode. Centaurus-Verlag 2004. (Ein allgemeinverständlicher Erlebnisbericht eines Vaters über die ersten fünf Lebensjahre seiner Tochter, die mit der Vojta-Methode erfolgreich behandelt wurde.)